Menschen, die Rheinbach bewegen - September 2026: Regina Fischer

Zweimal im Jahr wird die Kinderbörse in Rheinbach-Merzbach zum Treffpunkt für Familien aus der ganzen Umgebung. Rund 160 Verkaufsplätze, Cafeteria, Verkehrsführung und zahlreiche Helfer müssen koordiniert werden. Seit rund 15 Jahren gehört Regina Fischer zum Organisationsteam. Die ausgebildete Hebamme im Ruhestand erzählt, was hinter der Veranstaltung steckt, wie sich Konsum und Ehrenamt verändert haben und warum ihr das Engagement bis heute Freude macht.

Frau Fischer, wie sind Sie nach Merzbach und ins Ehrenamt gekommen?

1990 sind mein Mann und ich mit unserer damals einjährigen Tochter nach Merzbach gezogen. Eines Tages spielten wir auf der Straße und da kam Kalle Kerstholt vorbei und fragte, ob wir bei einer Spielplatzinitiative mitmachen würden. So fing mein Engagement hier an. Ehrenamtlich aktiv war ich allerdings schon vorher bei den Pfadfindern als Gruppenleiterin. Später war ich unter anderem Elternpflegschaftsvorsitzende und erste Vorsitzende des neu gegründeten Frauenchors Rheinbach.

Wie kamen Sie zur Kinderbörse?

Anfangs habe ich vor allem Kuchen gebacken. Durch meinen Beruf als Hebamme war ich zeitlich nicht sehr flexibel. Als der damalige Verantwortliche aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, sagte ich, dass ich gerne mithelfen würde. Plötzlich bekam ich sämtliche Unterlagen überreicht und hatte von einem Tag auf den anderen den Hut auf. Das hat mir zunächst schlaflose Nächte bereitet, aber mit dem Team hat es funktioniert.

Wie groß ist die Kinderbörse heute?

Wir haben etwa 70 Plätze in der Stadthalle und 90 Außenplätze. Unser Organisationsteam besteht aus vier Frauen und drei Männern. Ich kümmere mich vor allem um die Stadthalle und den Schulhof, andere beispielsweise um Fuhrpark und Verkehrsleitung. Viele Verkäufer kommen regelmäßig wieder. Wir hören oft, dass die Menschen gerne zu uns kommen, weil die Börse gut organisiert ist.

Früher gab es ja noch einen Kinderflohmarkt. Was ist passiert, dass dieser nicht mehr existiert?

Der Kinderflohmarkt war kostenlos. Wir haben aber beobachtet, dass teilweise Erwachsene die Kinderplätze nutzten, um ohne Standgebühr zu verkaufen. Außerdem wurden Kinder beim Verhandeln nicht immer fair behandelt. Ihnen wurden Spielsachen oder Bücher teilweise für sehr wenig Geld abgenommen. Deshalb haben wir uns entschieden, dieses Angebot nicht weiterzuführen.

Wie viel Arbeit steckt hinter den Kulissen einer Börse?

Eine ganze Menge. Unser Motto lautet: Nach der Börse ist vor der Börse. Standplätze müssen organisiert und markiert, Arbeitspläne erstellt und Helfer eingeteilt werden. Lebensmittel und Waffelteig werden bestellt, Geräte kontrolliert, die Cafeteria aufgebaut und der Verkehr organisiert. Auch für große Gegenstände wie Kinderwagen gibt es ein eigenes System. Sie werden auf der Bühne gelagert und mit Standnummer und Preis versehen, sodass sie nach dem Kauf dort abgeholt werden können.

Auch die Cafeteria gehört fest zur Kinderbörse. Wie organisieren Sie diese?

Früher haben wir im Dorf nach Kuchenspenden gefragt. Die Bereitschaft dazu hat jedoch abgenommen. Heute arbeiten wir mit Abiturklassen zusammen. Die Schülerinnen und Schüler verdienen damit Geld für ihren Abiball und wir haben weniger Organisationsaufwand. Bei der vergangenen Börse haben wir außerdem rund 140 Liter Waffelteig verarbeitet. Die Cafeteria ist selbst zu einem Treffpunkt geworden. Manche kommen auch einfach wegen des Kuchens und der Atmosphäre.

Ist es schwieriger geworden, ehrenamtliche Helfer zu finden?

Ja. Wir sagen immer: Gebt uns zwei Stunden eurer Freizeit. Aber selbst das ist inzwischen schwierig. Dabei brauchen wir Unterstützung an vielen Stellen: An der Theke, beim Aufbau und Abbau oder bei der Essensausgabe. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen bereit wären, einfach zwei Stunden zu investieren, ohne unmittelbar eine Gegenleistung zu erwarten.

Hat sich auch das Verhalten von Käufern und Verkäufern verändert?

Viele Menschen möchten gute Qualität für möglichst wenig Geld. Gleichzeitig wissen Verkäufer oft genau, was ihre Sachen wert sind, und sagen beim Handeln auch einmal „Nein“. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle. Kinder wachsen schnell aus ihrer Kleidung heraus, und auf der Börse kann man für wenig Geld viele gute Sachen bekommen. Ich glaube, heute gibt es bei vielen Familien eine Mischung aus „gebraucht“ und „neu“.

Was gibt Ihnen persönlich Ihr Ehrenamt zurück?

Mich freut es besonders, wenn bei der Kinderbörse ein Überschuss erwirtschaftet wird und dieses Geld anschließend wieder in Projekte für Merzbach und die Umgebung fließt. Wenn ich bei einem Kinderfest sehe, wie die Kinder herumtoben, macht mir das einfach Freude. Dazu kommt unser tolles Team. Wir haben viel Spaß miteinander. Diese gute Stimmung spürt man, glaube ich, auch als Besucher.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Vor allem, dass die Kinderbörse weitergeführt wird und neue Menschen den Weg ins Team finden. Und ich wünsche mir mehr Menschen, die bereit sind, ein kleines Stück ihrer Freizeit einzubringen. Es müssen nicht viele Stunden sein. Zwei Stunden können schon eine große Hilfe sein. Am wichtigsten ist mir aber, dass die Fröhlichkeit und der Spaß erhalten bleiben.

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