Peter Kempf stammt aus Dahn im Pfälzerwald und hat in Rheinbach eine neue Heimat gefunden. Beruflich ist er als Soldat im Kommando IT-Service der Bundeswehr in Rheinbach tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich als stellvertretender Vorsitzender und Wanderführer im Eifel- und Heimatverein Rheinbach. Gemeinschaft und Geselligkeit, aber auch Brauchtum, Tradition und Heimat sind ihm dabei besonders wichtig. Ein besonderes Anliegen ist ihm, auch Kinder, Jugendliche und jüngere Familien für gemeinsame Aktivitäten und das Vereinsleben zu gewinnen.
Herr Kempf, Sie waren zunächst viele Jahre Mitglied im Eifel- und Heimatverein. Wie kam es dazu, dass Sie selbst ein Ehrenamt übernommen haben?
Zum Eifelverein bin ich über die Familienwanderwochenenden gekommen, unter anderem über Elsbeth und Adolf Beuys. Der Verein ist mir mit der Zeit ans Herz gewachsen. Schließlich entstand die Idee, selbst als Wanderführer aktiv zu werden. Dass daraus die Mitarbeit im Vorstand und die Aufgabe als stellvertretender Vorsitzender wurden, hat sich eher ergeben.
Was gehört heute zu Ihren Aufgaben?
Als Wanderführer biete ich in unserer Ortsgruppe in der Regel zwei bis drei eigene Wanderungen an. Außerdem organisiere ich gemeinsam mit Vera ein Familienwanderwochenende und ein Wanderwochenende für Paare. Dafür suche ich Strecken aus, wandere sie vorher ab und kümmere mich bei den Wochenenden auch um die Unterkünfte. Anschließend führe ich die Touren mit den angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch.
Welche Wanderangebote gibt es in Rheinbach?
Da gibt es unterschiedliche Formate. „Wald und Café“ und die Donnerstagswanderungen starten direkt in Rheinbach und enden auch wieder hier. Bei den Sonntagswanderungen treffen wir uns am Himmeroder Hof und fahren meistens in Fahrgemeinschaften zu den Ausgangspunkten, beispielsweise in die Eifel oder ins Siebengebirge. Bei Wanderwochenenden gibt es in der Regel eine gemeinsame Unterkunft, von der aus die einzelnen Touren starten.
Muss man Mitglied sein, um an den Angeboten teilzunehmen?
Nein. Bei Gästewanderungen kann man einfach dazukommen. Das gilt auch für viele Angebote der Wanderjugend.
Der Eifel- und Heimatverein bietet deutlich mehr als klassische Wanderungen. Was gehört noch dazu?
Wandern ist ein wesentlicher Bestandteil des Vereins, aber das Angebot ist viel breiter. Es gibt Spieleabende, Aktionstage am Eifelhaus und die Unterstützung bei Stadtfesten. Hinzu kommt beispielsweise das Bolskoppfest an Christi Himmelfahrt als Familienfest. Die Spieleabende richten sich ebenfalls nicht an eine bestimmte Altersgruppe. Dort kommen Menschen zusammen, die Gesellschafts-, Brett- oder Kartenspiele mögen. Sie finden unter anderem im Eifelhaus und in Kooperation mit den Burg- und Stadtführern auch im Hexenturm statt.
Kinder, Jugendliche und Familien sind Ihnen besonders wichtig. Wie erreicht man sie heute mit Vereinsangeboten?
Wir haben keine regelmäßige Jugendgruppenarbeit, wie man sie beispielsweise von anderen Jugendverbänden kennt. Stattdessen machen wir unterschiedliche Angebote für Kinder und Jugendliche. Nach den Sommerferien gab es zum Beispiel einen Outdoor-Game-Nachmittag am Eifelhaus mit Spielen und anschließendem gemeinsamen Grillen.
Für Familien ist entscheidend, dass ein Angebot zur jeweiligen Lebenssituation passt. Schwieriger ist heute, eine feste Gruppe zu haben, von der man weiß, dass sie immer dabei ist. Wichtig ist, frühzeitig über die Angebote zu informieren und damit die Menschen zu erreichen, für die sie gerade passen.
Wandern und Heimatverein werden manchmal als etwas „verstaubt“ wahrgenommen. Erleben Sie das auch?
Zunächst vielleicht schon. Wenn man dann gemeinsam unterwegs ist, merkt man aber schnell, dass das nichts mit verstaubt zu tun hat. Menschen sind schon vor Jahrzehnten wandern gegangen, um rauszukommen, gemeinsam Zeit zu verbringen und die Natur zu erleben. Das macht auch heute noch Spaß. Gerade bei Familienwanderungen ist es außerdem etwas anderes, ob eine Familie allein mit ihren Kindern unterwegs ist oder eine größere Gruppe gemeinsam loszieht.
Muss sich das Wandern trotzdem verändern, um jüngere Menschen anzusprechen?
Man kann Wandern zum Beispiel mit Geocaching verbinden. Dabei kommen digitale Möglichkeiten und das gemeinsame Unterwegssein zusammen. Man entdeckt neue Dinge und ist trotzdem miteinander draußen. Auch andere Formate gehören dazu. Wir haben beispielsweise erstmals eine Tagestour nach Oberhausen zu einer Ausstellung organisiert. Danach ging es noch gemeinsam in einen Park, mit Angeboten für Kinder und Erwachsene. Solche generationenübergreifenden Ausflüge möchten wir weiterentwickeln.
Sie interessieren sich selbst sehr für Geschichte. Welche Rolle spielt sie bei Ihren Wanderungen?
Ich versuche, historische Punkte aufzugreifen, wenn sie zur jeweiligen Strecke passen. Mir ist wichtig zu vermitteln, dass wir nicht die Ersten sind, die in dieser Landschaft unterwegs sind, sondern dass viele Menschen vor uns dort gelebt haben. Das können der Römerkanal-Wanderweg, Hinterlassenschaften aus keltischer Zeit oder Burgruinen sein. Geschichte hat mich immer interessiert, und davon versuche ich bei meinen Wanderungen etwas an Jung und Alt weiterzugeben.
Wenn Sie Rheinbach zu Fuß vorstellen sollten: Welche Orte dürften nicht fehlen?
Auf jeden Fall der Stadtwald. Er ist für Rheinbach etwas Besonderes, weil man dieses Walderlebnis ohne lange Wege direkt vor der Haustür haben kann. Dazu kommt die Innenstadt mit ihren historischen Punkten. Ich würde unter anderem den Hexenturm beziehungsweise Bergfried, den Kallenturm, den Wasemer Turm und die Fachwerkgebäude an der Hauptstraße einbeziehen. Über den Römerkanal-Wanderweg bestehen außerdem direkte Verbindungen zu größeren Wanderwegen.
Gemeinschaft, Brauchtum, Tradition und Heimat sind Ihnen wichtig. Hat der Begriff Heimat auch für jüngere Menschen noch eine Bedeutung?
Ich würde den Begriff Heimat bei der Jugend nicht abschreiben. Vielleicht würden jüngere Menschen es eher „zu Hause“ nennen. Aber Familie, Freunde und die Verbindung zu dem Ort, an dem man lebt oder aufgewachsen ist, sind weiterhin wichtig. Das sehe ich auch bei unseren drei Söhnen. Sie sind zwar woanders geboren und teilweise aufgewachsen, aber Rheinbach ist für sie Heimat geworden.
Was braucht ein Verein, damit sich auch künftig jüngere Menschen und Familien beteiligen?
Wir müssen Möglichkeiten schaffen, damit jüngere Menschen solche Gemeinschaftserlebnisse überhaupt kennenlernen können. Gleichzeitig müssen wir Menschen finden, die bereit sind, Angebote aufzunehmen, weiterzuentwickeln und künftig selbst zu organisieren. Ohne Menschen, die bereit sind, etwas für und mit anderen zu tun, funktioniert Vereinsarbeit nicht. Der Wesenskern eines Vereins muss erlebbar und gestaltbar bleiben. Daran müssen wir arbeiten und Menschen finden, die mit anpacken möchten.
Als Wanderführer hören Sie vermutlich häufig die Frage: „Wie weit ist es noch?“ Gibt es einen Satz, der Ihnen ebenfalls regelmäßig begegnet?
Meine Frau fragt mich manchmal: „Sind wir noch auf dem richtigen Weg?“ Ich neige gelegentlich zur Improvisation. Auch bei einer vorgewanderten Tour kann mir unterwegs einfallen, dass es an einer anderen Stelle noch eine schöne Ecke gibt und wir einen zusätzlichen Schlenker einbauen könnten. „Sind wir noch auf dem richtigen Weg?“ landet deshalb ziemlich weit oben auf der Liste.
Hören Sie die ganze Folge im Podcast.
Interview auf Basis des Podcast-Gesprächs „Rhein gehört – Ehrenamt des Monats Oktober“