„Kunst findet Stadt“: Finissage am Internationalen Tag der Demokratie

Mit einer Finissage im Foyer des Rheinbacher Rathauses fand die Premiere des Rheinbacher Kunstprojekts „Kunst findet Stadt“ ihren Abschluss. 

Seit dem 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, waren künstlerische Arbeiten an unterschiedlichen Orten im Stadtgebiet zu entdecken und boten Gelegenheit, sich mit dem Thema Demokratie auseinanderzusetzen. Dass der Abschluss am Internationalen Tag der Demokratie stattfindet, bildet den bewussten zeitlichen und inhaltlichen Rahmen für die erste Ausgabe des Projekts.

Über Wochen hinweg ließ sich zeitgenössische Kunst mit der Frage verbinden, wie demokratische Werte, gesellschaftliche Perspektiven und unterschiedliche Sichtweisen im öffentlichen Raum sichtbar und zum Gegenstand des Austauschs werden können. Nicht nur Künstlerinnen und Künstler von regionaler und internationaler Bedeutung, sondern auch Schülerinnen und Schüler aus Rheinbach setzten sich auf kreative und vielfältige Weise mit dem Thema auseinander. 

Im Beisein zahlreicher Künstlerinnen und Künstlern, Jurymitgliedern und Sponsoren, sowie Kunstinteressierten und Wegbegleitern wurden nicht nur die Preisträger der verschiedenen Kategorien geehrt, sondern Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und die Erste Beigeordnete, Daniela Hoffmann, blickten auf das gelungene Debut des Projekts zurück. „Demokratie und Kunst haben eine Gemeinsamkeit: Eine Demokratie braucht Freiheit, ebenso wie die Kunst. Beide leben davon, dass Menschen ihre Gedanken äußern dürfen und dabei respektvoll miteinander umgehen“, stellte Dr. Daniel Phiesel fest und betonte, dass beide Zutaten eine gute und offene Stadtgemeinschaft ausmachen. „‚Kunst findet Stadt‘ hat gezeigt, wie Kunst Neugier wecken, neue Perspektiven eröffnen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen kann. Gerade darin liegt für mich auch die Verbindung zu unserem Leitthema Demokratie: Sie beginnt mit dem aufmerksamen Blick, dem offenen Gespräch und vor allem mit der Bereitschaft, sich auf andere Sichtweisen einzulassen.“, resümierte Daniela Hoffmann.

 

Sponsoren:

Westenergie, Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt Rheinbach, Gewerbeverein Rheinbach, Bürgerstiftung "Wir für Rheinbach", Kreissparkasse Köln, VR-Bank Bonn-Rhein-Sieg, KRINGS, Regionalverkehr Köln, Kulturförderung Rhein-Sieg-Kreis, e-regio, SolarTecEnergy,WOTEC, Faßbender Stiftung, Rotary-Club, EIGRO Transportkälte

 

Preisverleihung:

 

Schaufenster-Wettbewerb 

1. Preis (500) – Simi Larisch  – „Schindlers Liste 1993“

Die Arbeit setzt sich mit der Bedeutung von Film und Erinnerungskultur auseinander, insbesondere mit Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ und der Erinnerung an den Holocaust. Simi Larisch verarbeitet das originale Magnetband einer VHS-Kassette des Films zu einem neuen Kunstwerk und macht damit ein Stück vergangener Medientechnologie selbst zum Erinnerungsobjekt. Die spiegelnde Oberfläche verbindet die persönliche Erinnerung der Betrachtenden mit ihrer eigenen Reflexion und erinnert daran, Geschichte lebendig zu halten. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Düsseldorf.

2. Preis (300) – Ulrike von der Osten – „Du bist präsent“

Die Installation macht die Betrachtenden selbst zum Teil des Kunstwerks und regt dazu an, die eigene Rolle in einer demokratischen Gesellschaft zu hinterfragen. Sie verdeutlicht, dass Demokratie vom Mitwirken jedes Einzelnen lebt – durch Stimmen, Begegnungen, Gespräche und respektvolles Handeln im Alltag. Das Schaufenster wird so zu einem öffentlichen Ort des Austauschs und macht sichtbar: Demokratie beginnt dort, wo Menschen aufeinandertreffen und miteinander in Kontakt treten. Das Schaufenster ist der Vorbau der Schweigelstraße 21. Die Künsterin lebt und arbeitet in Offenbach. 

3. Preis (200) – Johannes Christopher Gerard – „Die Pflanze der Demokratie hegen“

Die Installation (zwei Stühle ein Tisch mit einer Grünpflanze) setzt sich mit den Grundlagen der Demokratie auseinander. Zwei gleichgestellte Stühle stehen für unterschiedliche Meinungen und Perspektiven, während der Tisch den Dialog und die Suche nach gemeinsamen Lösungen symbolisiert. Die Pflanze steht für die Demokratie selbst, die Pflege, Engagement und Verantwortung braucht, um zu wachsen und zu bestehen. Das Werk lädt dazu ein, über die Voraussetzungen eines respektvollen und friedlichen Miteinanders nachzudenken. Johannes Christopher Gerard lebt und arbeitet in Den Haag, Niederlande.

 

Verleihung des Jugendförderpreises

Vivian Fey Jansen – „Stimmenrausch“

Die Skulptur thematisiert die Überforderung durch die enorme Informationsflut des digitalen Zeitalters. Der zersprungene menschliche Kopf symbolisiert einen Geist, der Schwierigkeiten hat, zwischen Fakten, Fake News und Propaganda zu unterscheiden. Die Arbeit ruft dazu auf, Informationen kritisch zu hinterfragen, achtsam mit sich selbst umzugehen und die eigene Meinungsbildung bewusst zu gestalten. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Euskirchen. 

 

Ehrung des Publikumslieblings: 

Helena Montagnese – „Democracy“ – united and unafraid (Voting mit Zahlen nicht vergessen. 112 von 401 Stimmen). Die dreiteilige Werkserie beschäftigt sich mit den Grundlagen demokratischen Zusammenlebens: VOICE, CHOICE und POWER stehen für Stimme, bewusste Entscheidungen und gemeinschaftliche Stärke. Kinder symbolisieren die Zukunft und die Verantwortung jedes Einzelnen, während die Taube für Demokratie und Freiheit steht. Die Arbeiten machen deutlich, dass Demokratie von Beteiligung lebt und von allen gemeinsam gestaltet und geschützt werden muss. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Alfter.

 

Outdoor-Wettbewerb: 

1. Preis (2.000) – Nathalia Grotenhuis – „You don’t know me, but…“

Die Klanginstallation von Nathalia Grotenhuis rückt das Individuum innerhalb der demokratischen Gesellschaft in den Mittelpunkt. Persönliche Stimmen zufällig ausgewählter Menschen aus Rheinbach zeigen, wie vielfältig das „Volk“ ist und hinterfragen unsere Vorstellungen von Herkunft und Identität. Durch die überlagerten Tonspuren wird das Zuhören zu einer individuellen Erfahrung. Die Arbeit verdeutlicht, dass eine Gesellschaft kein anonymes Kollektiv, sondern ein vielfältiges Mosaik einzigartiger Menschen ist. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Mainz.

2. Preis (1.000) – Matthias Block – „Fragile“

Da hat wohl jemand in der Verwaltung vergessen, eine Sendung reinzutragen. Könnte man meinen. Doch bei näherem Hinsehen ist das Paket, dessen Aufschrift „Fragile“ auf einen besonders wertvollen Inhalt schließen lässt, gar nicht an das Rathaus adressiert. Ein normales Paket ist es auch nicht, denn was von weitem wie eine Beschädigung aussieht sind in Wirklichkeit umgeknickte Ecken von Wahlplakaten. Insgesamt 200 Plakat von sämtlichen Parteien hinterlässt Matthias Block an dieser Stelle nicht nur für die Verwaltung, sondern auch für die Bürgerschaft. Die Demokratie ist so bunt und vielfältig, wie unsre Parteienlandschaft, und muss gemeinsam gepflegt werden. Ihr Erhalt geht uns alle an. Der Künstler lebt und arbeitet in Offenbach. 

3. Preis (500) – Thomas Klegin – „Voraus_Zurück“ Thomas Klegins Skulptur „Voraus_Zurück“ hinterfragt klassische Heldenmonumente und wird zum Sinnbild für demokratische Zusammenarbeit. Die acht Schubkarren verdeutlichen, dass Bewegung nur durch gemeinsames Handeln und ein gemeinsames Ziel möglich ist. Das Werk steht damit für Teilhabe, Vielfalt und Dialog und zeigt, dass gesellschaftlicher Fortschritt durch aktives Miteinander und gegenseitige Abstimmung entsteht. Der Künstler lebt und arbeitet in Schwerte. 

 

Foto: Stadt Rheinbach