Klimafolgenanpassungskonzept - Erste Leuchtturmmaßnahmen in der Planung
Die Beschäftigung mit dem Thema Klimafolgenanpassung ist für uns als Stadt nicht nur eine Frage der Verantwortung, sondern auch die Chance, proaktiv zu handeln, um die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft zu sichern und negative Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.
Im Rahmen des Klimaanpassungsmanagements wird ein "Konzept zur nachhaltigen Klimaanpassung und für Natürlichen Klimaschutz für die Stadt Rheinbach“ erarbeitet und erste Projekte daraus bis 2027 umgesetzt. Dieses wird gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz im Rahmen des Programms „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ (Förderrichtlinie DAS) und des damit verknüpften Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK).
Der Schwerpunkt des Gesamtkonzepts liegt innerhalb der nächsten drei Jahre darauf, verschiedene für die Kommune entwickelte Leuchtturmmaßnahmen umzusetzen. Dies sind Projekte, welche Vorbildcharakter für die Abmilderung von extremwetterbedingten Folgen des Klimawandels wie z.B. Hitze, Starkregen und Trockenheit aufweisen. Die Realisierung dieser Maßnahmen zielt nicht nur auf Aufenthaltsqualität im Alltag, sondern auch auf die Erhöhung der Artenvielfalt und den natürlichen Klimaschutz.
Die im Rahmen der Projektlaufzeit und bei der Umsetzung der Leuchtturmmaßnahmen gewonnenen Ergebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen sollen als Grundlage für die weitere Steuerung und Umsetzung der Anpassung an den Klimawandel dienen. Auf deren Grundlage soll eine langfristige, systematische Planung und Koordination erfolgen.
Symbolischer Auftakt
Als erstes sichtbares Zeichen wurden im März 2025 auf den städtischen Spielplätzen Stifterweg, Am Blümlingspfad, und Dahlemstraße (Wormersdorf) neue Bäume gepflanzt. Sie setzen den Auftakt für das Gesamtvorhaben und stehen sinnbildlich als ein Element sogenannter „Naturbasierter Lösungen“.


Drei Leuchtturmmaßnahmen
Schaffen eines grünen Quartierplatzes (Pocket Park)
Standort: Grünfläche Schubertstraße / Münstereifeler Straße
Geplantes Vorhaben:
Laut dem Klimafolgenanpassungskonzept ist an dem Standort eine hohe zukünftige Hitzebelastung zu erwarten. Um eine erträgliche Aufenthaltsqualität für heiße Tage zu schaffen, soll der nördliche Teil der Grünfläche in einen kleinen, naturnahen und biodiversen Park umgewandelt werden. Sitzmöglichkeiten im Schatten der Bestandsbäume, hitze- und trockenheitsverträgliche Staudenbeete sowie die Erhöhung der Artenvielfalt sind dabei zentrale Punkte.
Zudem stellt die Schubertstraße im Starkregenfall einen bedeutsamen Fließweg im Stadtgebiet dar. Im Falle eines Starkregens sollen die Wassermengen über einen Zulauf in die Grünfläche geleitet werden und dort versickern. Durch die Umgestaltung des mittleren Teils der Fläche zu einer naturnah gestalteten Mulden-Rigolen-Versickerungsanlage, werden auch die Abwasserkanäle entlastet.
Etablierung resilienten Stadtgrüns
Standort: Gesamtschule Rheinbach, Standort 1, Villeneuver Straße 5
Ausgangslage:
Laut Klimafolgenanpassungskonzept liegt an dem Standort eine mittlere bis hohe Trockenheitsgefährdung vor. Die Hitzebelastung im IST-Zustand ist bereits sehr hoch und wird sich im Zukunftsszenario noch verstärken.
Vorhaben:
- Anlegen von Pflanzflächen mit Staudenbeeten und Bäumen, um das Schulgebäude zu verschatten sowie eine hohe Verdunstungsleistung der Vegetation zu gewährleisten
- Durch eine neue versickerungsfähige Gehwegpflasterung mit leichter Neigung in Richtung Beete und ebenerdigen Beetkanten wird die Einleitung des Niederschlagswassers ermöglicht.
- Schützen der Beete vor unkontrolliertem Betreten mit Hilfe eines Holzzauns
Maßnahmen:
- Fünf neu gepflanzte Bäume verschatten zukünftig die Fensterfassade des Gebäudes und der Hoffläche
- Kühleffekt durch Grünvolumen der Stauden
- Zwei neue Pflanzbeete (hitze- und trockenheitsresiliente Pflanzauswahl) tragen für mehr Vegetation und Entsiegelung der Hoffläche bei
- Lavamulchschicht auf den Beeten schützt vor Austrocknung und unterstützt Bodendurchlüftung
- Regenwasserspeicherung mit Fallrohr vom Dach in zwei Regenwassertanks mit je 1.000 Litern Volumen
- Wiederverwendung der Betonplatten der alten Schulhoffläche als Wegschollen durch das Beet
- Verlegen von versickerungsfähiger, heller (nicht so stark aufheizbar) Pflasterung
Umsetzung:
- Planung, Pflanzung und Pflege in einem partizipativen Prozess durch Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer in Kooperation mit Betriebshof und dem Klimaanpassungsmanager
- Die gemeinschaftliche Bepflanzung wurde im November 2025 durchgeführt.
- Das Projekt wird von der KfW im Rahmen des Förderprogramms „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen – Zuschuss 444“ unterstützt. Durch die Förderung können 80 % der Kosten für die Pflanzflächen refinanziert werden.
Ergebnis:
- Deutliche Reduzierung von Hitzeinseln
- Beitrag zur Umweltbildung , wie z.B. zu Aspekten bzgl. natürlicher Klimaschutz, Klimafolgenanpassung, Biodiversität, Wasserkreislauf & Bodenfunktion, durch Beteiligung der Schulgemeinschaft
Gestaltung einer multifunktionalen Grünfläche
Standort: Festplatz Wormersdorf, Ecke Tomberger Straße / Ahrweg
Geplantes Vorhaben:
Auf Basis eines politischen Beschlusses soll der Festplatz in Wormersdorf eine multifunktionale, wassersensible Umgestaltung erfahren. Um die Nutzungsansprüche der Ortvereine und öffentlichen Einrichtungen bei der Gestaltung des Platzes zu integrieren, wurden der Ortsvorsteher sowie der Ortsausschuss bereits in das Vorhaben eingebunden.
Gemäß einer hydrodynamischen Kanalnetzberechnung und Überflutungsprüfung ist die Fläche des Festplatzes geeignet, um nach der Umgestaltung zu einer multifunktionalen Fläche zum Starkregenschutz in Wormersdorf beizutragen. Durch Absenken der Grünfläche soll ein Regenrückhaltebereich von mind. 300 m3 geschaffen werden, in welches im Starkregenfall der Fließweg der Tomberger Straße eingeleitet wird. Das Projekt ist zugleich eine Teilmaßnahme des kommunalen Hochwasser- und Starkregenschutzkonzepts.
Laut dem Klimafolgenanpassungskonzept liegt zudem eine hohe Trockenheitsgefährdung vor. Um dieser und zu erwartenden Hitzebelastungen entgegenzuwirken, wird geprüft, in welchem Umfang weitere Klimaanpassungsaspekte in diese Leuchtturmmaßnahme integriert werden können. Darunter fallen: der Bau einer unterirdischen Regenwasserzisterne, um das auf dem Festplatz anfallende Niederschlagwasser zu sammeln; die Verschattung des Platzes durch klimaangepasste Baumpflanzungen, die Etablierung resilienter Pflanzungen im Randbereich sowie die Integration naturnaher, biodiverser Elemente.






