01 You don’t know me, but …
Mehrkanal-Klanginstallation
Nathalia Grotenhuis
Demokratie bezeichnet die Herrschaft des Volkes. Doch wer genau ist eigentlich dieses „Volk“? Die Klangkünstlerin Nathalia Grotenhuis lenkt mit ihrer Installation im Himmeroder Hof den Blick weg von einem anonymen Kollektiv hin zum Individuum. Dazu setzte sie sich intensiv mit der Rheinbacher Stadtgesellschaft auseinander und gab zufällig ausgewählten Personen in einem partizipativen Prozess die Möglichkeit, etwas von sich mitzuteilen. Beginnend mit den Worten „You don’t know me, but…“ sind in der fertigen Arbeit eine Vielzahl von persönlichen Statements zu hören, die so einzigartig sind wie die Menschen, die sprechen. Es sind Einblicke in verschiedene Persönlichkeiten, die durch die Verwendung der eigenen Stimme eine ungeahnte Intimität erzeugen, auch wenn wir letztlich nicht viel erfahren. So fragt die Künstlerin: „Wer kann aus solchen Interviews erkennen, woher ein Mensch kommt, welche Erfahrungen dieser gemacht hat oder was dieser Mensch in Zukunft vorhat?“ Durch die Verwendung der englischen Sprache und das Gehör als einzigen Zugang bleiben zudem äußerliche Marker wie Nationalität, Religion oder Hautfarbe verborgen.
Durch die Nutzung mehrerer Lautsprecher, die unterschiedliche Tonspuren abspielen, wird auch das Zuhören zudem zu einer individuellen Erfahrung. Der Hof wird zu einem vielfältig erfahrbaren Klangraum und der Standort entscheidet, was zu hören ist und was nicht. Die Stimmen überlagern sich, sind mal deutlich zu verstehen, mal nur ein Hintergrundrauschen. Das Individuelle setzt sich also wieder zu einem großen Ganzen zusammen.
So spielt die Arbeit mit Nähe und Distanz, Individuum und Kollektiv und schärft den Blick auf die Einzelnen, die unsere Gesellschaft ausmachen. Sie macht deutlich: die Menge ist keine graue Masse, sondern ein buntes Mosaik aus einzigartigen Menschen.
Natalia Grotenhuis lebt und arbeitet in Mainz.
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