Stanisław Borowski - Ein Leben für das Glas

Sonderausstellung vom 8. Mai bis zum 27. September 2026

Stanisław Borowski wurde am 28. August 1944 in Moutiers, Frankreich geboren. Die Familie kehrt 1948 nach Polen zurück, wo Stanisław Borowski zunächst eine Ausbildung zum Mechaniker absolviert. 1964 entscheidet er sich, in der Glashütte von Krosno als Glasschleifer zu arbeiten. 1973 verlässt er die Glashütte und macht sich selbständig. Es entstehen erste skulpturale Formen und er knüpft Kontakte zur internationalen Studioglasbewegung.

Für die Teilnahme am Glassymposium in Frauenau erhält Borowski 1982 eine Ausreisegenehmigung, ein Jahr später kann seine Familie nachkommen. 1982 lässt sich Borowski in Rheinbach nieder, wo er zusammen mit Udo Edelmann die skandinavische Graaltechnik wiederbelebt. Er nimmt an zahlreichen Ausstellungen in Europa und in den USA teil. Die Familie zieht 1987 nach Hennef und richtet 1988 ein eigenes Glasstudio mit Glasofen ein, aus dem seit 1990 das „Glasstudio Borowski“ unter Beteiligung der beiden älteren Söhne des Künstlers hervorgeht.

Nach dem politischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa verlegt Borowski sein Glasstudio 1992 nach Bolesławiec/Bunzlau. Die Familie kehrt nach Polen zurück. In Deutschland bleibt nur Sohn Wiktor als Manager des Familienunternehmens. In Polen arbeiteten nun drei Künstler für die Marke Borowski: Stanisław, Paweł und Stani Jan Borowski.

Der Glaskünstler Stanisław Borowski, einer der großen Namen der europäischen Studioglasbewegung seit den 1970er Jahren, hat entscheidende Jahre seiner internationalen Laufbahn in Rheinbach verbracht. Sein umfangreiches Oeuvre beeindruckt, bei aller Vielfalt, durch die Geschlossenheit seiner Bild- und Formensprache. Die Retrospektive am Ort seiner künstlerischen Anfänge zeigt Arbeiten aus allen Schaffensperioden.

Er gilt als unangefochtener Meister der Gravur, die er in seinen Arbeiten auf einzigartige Weise mit anderen vielfältigen Techniken der Glasbearbeitung verbindet, um seine faszinierend detailreichen, oft surrealistischen Bildwelten zu gestalten. Seine gravierten Skulpturen und Gefäße, die stilistisch dem magischen Realismus zugeordnet werden, setzen sich mit den politischen Themen seiner Zeit und der menschlichen Existenz auseinander. Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn waren es einfache, farbig überfangene Glaskörper, die er mit selbstgebauten Werkzeugen bearbeitete.

Mit den wachsenden technischen Möglichkeiten, die ihm mit den Jahren zur Verfügung stehen, entstehen mundgeblasene, mehrfach überfangene Hohlkörper, die graviert und zusammen mit frei an der Glaspfeife geformten Skulpturen zu komplexen bildhauerischen Kompositionen montiert werden. Die wechselseitige Wirkung zwischen Gravur und Plastik eröffnet neue Möglichkeiten und gibt Einblicke in die Gefühlswelten und die Stimmungen des Künstlers.

Fotos: Glasstudio Borowski GmbH