Menschen, die Rheinbach bewegen – Mai 2026: Alfred Eich

Alfred Eich ist in Rheinbach vielen Menschen als Fotograf, Journalist und engagierter Vereinsmensch bekannt.

Geboren wurde er in Oberdrees, heute lebt er in Odendorf. Seine berufliche Laufbahn begann er mit einer Ausbildung zum Drogisten bei der Drogerie Nawrath in Rheinbach. 1984 eröffnete er „Foto Eich“ und war dort viele Jahre selbstständig tätig. Zudem arbeitete er freiberuflich für Tageszeitungen.

Besonders prägend ist sein langjähriges ehrenamtliches Engagement in zahlreichen Vereinen und Vorständen, unter anderem bei „Lück för os Heematsproch“, im Brauchtumsverein und in verschiedenen Karnevalsvereinen. Vielen Menschen ist er heute vor allem als Vorsitzender von Rheinbach Hilft bekannt. Vor allem während und nach der Flutkatastrophe engagierte er sich in Rheinbach und im Ahrtal, koordinierte Hilfe und stand Menschen in schwierigen Zeiten zur Seite.

In seiner Freizeit wandert und liest er gerne, sein Lieblingsort in Rheinbach ist die ganze Stadt.

Du bist in Oberdrees geboren und tief mit Rheinbach verbunden. Was hat dich besonders geprägt?
„Vor allem die Menschen und das Dorfleben. Wenn man vierzig Jahre selbstständig in Rheinbach war, kennt man irgendwann fast jeden. Dadurch bekommt man viel mit. Als die Flut kam und ich gefragt wurde, ob ich mithelfe, war ich sofort dabei. Ich bin damals täglich mit einem roten Bus durchs Ahrtal gefahren, habe Essen verteilt und Hilfsgüter zwischen verschiedenen Stationen organisiert. Dafür bekam ich irgendwann den Spitznamen „der Dealer“.“

Heimat bedeutet für dich auch Sprache und Tradition.
„Absolut. Ich bin mit Plattdeutsch aufgewachsen. Früher wurde im Dorf fast nur Mundart gesprochen – in der Familie, auf der Straße, überall. Heute geht das leider verloren. Viele Kinder singen zwar noch Karnevalslieder auf Platt, verstehen die Sprache aber gar nicht mehr richtig. Deshalb engagiere ich mich dafür, dass diese Heimatsprache erhalten bleibt. Sie gehört einfach zu unserer Identität.“

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
„Über meine Ausbildung als Drogist. Dort gehörte Fotografie dazu. Richtig gepackt hat es mich dann später in einem Fotofachgeschäft in Bonn. Mit siebzehn habe ich angefangen, auf Karnevalsveranstaltungen zu fotografieren. Meine Mutter hat die Bilder später verkauft. Daraus wurde schnell mehr als nur ein Hobby. Später war ich Fotograf bei der Bundeswehr, dann Geschäftsführer mehrerer Fotofachgeschäfte und schließlich auch journalistisch unterwegs.“

Über die Fotografie entstand auch ein großes Netzwerk.
„Ja, besonders durch den Karneval und die Arbeit für lokale Zeitungen. Irgendwann kannte man sich überall. Das hilft heute natürlich enorm, gerade bei Rheinbach hilft. Viele Kontakte, die über Jahrzehnte entstanden sind, helfen uns bei Spendenaktionen und Transporten.“

Wie entstand „Rheinbach Hilft“?
„Die Basis war eigentlich die Fluthilfe. Da kam schon viel in Gang. Danach kam der Krieg in der Ukraine. Ich lernte Andreas Klassen kennen. Der kam an dem Tag gerade aus der Ukraine zurück. Nach wenigen Minuten Gespräch war klar: Wir müssen helfen. Anfangs fuhren wir mit kleinen Transportern los. Niemand ahnte damals, was daraus einmal werden würde. Heute organisieren wir große Hilfstransporte mit 40-Tonnen-LKWs. Wir unterstützen Krankenhäuser, Kinderheime und Familien direkt vor Ort, teilweise nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt.“

Die Fahrten in das Kriegsgebiet sind belastend.
„Ja, sehr belastend. Wir sehen dort Dinge, die man nie wieder vergisst: zerstörte Häuser, Friedhöfe, verletzte Menschen und unglaubliche Armut. Gleichzeitig erleben wir aber auch große Dankbarkeit. Wenn Kinder auf dich zugerannt kommen oder Familien endlich wieder Wärme durch einen Ofen haben, dann weißt du, warum man das macht.“

Wie verarbeitet man solche Eindrücke?
„Das ist nicht einfach. Nach manchen Fahrten schläft man schlecht oder bekommt die Bilder nicht aus dem Kopf. Unser Team hält aber sehr eng zusammen. Wir sprechen viel miteinander und achten aufeinander. Ohne dieses Vertrauen könnte man solche Einsätze nicht machen.“

Ist es wie so oft, dass die Menschen abstumpfen und die Hilfsbereitschaft abnimmt, je länger die Katastrophe anhält?
„Nein, ganz und gar nicht und das beeindruckt mich immer wieder. Die Menschen hier bringen Kleidung, medizinisches Material, Lebensmittel oder spenden Geld. Manche finanzieren direkt mehrere Öfen oder ganze Transporte. Ohne diese Unterstützung würde nichts funktionieren.“

Was bedeutet dieses Ehrenamt heute für dich?
„Es ist tatsächlich ein Leben zwischen zwei Welten: hier der Alltag in Rheinbach, dort Krieg und Not. Aber genau deshalb ist Hilfe wichtig. Und solange ich die Kraft dazu habe, werde ich weitermachen.“

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