Menschen, die Rheinbach bewegen - Juli 2026: Frank Piontek

Frank Piontek stammt aus Marburg an der Lahn und lebt seit vielen Jahren in Flerzheim. Der ehemalige Pressesprecher der Polizei Bonn engagiert sich seit den 1980er-Jahren ehrenamtlich, zunächst im Triathlonsport, später als Mitgründer der Telekom Baskets Bonn. Seit 2016 ist er eines der Gesichter des Good Walking Clubs Rheinbach. Seine größte Leidenschaft ist das Wandern und er etablierte in unserer Region mit „Marsch mit Aussicht“ eine der bekanntesten Langstreckenwanderveranstaltungen Deutschlands. Am liebsten erkundet er gemeinsam mit seiner Frau und einem Rucksack die Welt. Sein Lieblingsort ist der Hochkopf bei Krahforst mit Blick über Rheinbach, Wachtberg und das Siebengebirge.

Vom Polizeisprecher zum Organisator großer Wanderveranstaltungen. Was treibt Sie an, Herr Piontek?

Es bedeutet mir viel, Menschen zusammenzubringen. Schon in der Schulzeit habe ich Konzerte organisiert, Sportmannschaften betreut und mich in der Kirche engagiert. Dieses Interesse am Organisieren und am Miteinander begleitet mich bis heute. Geprägt hat mich dabei sicher auch meine Mutter, die mit 87 Jahren noch immer ehrenamtlich aktiv ist.

Sie waren viele Jahre Pressesprecher der Polizei Bonn. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders erfüllt?

Es war meine Aufgabe, polizeiliches Handeln verständlich zu erklären und zwischen Polizei, Medien und Öffentlichkeit zu vermitteln. Das war oft spannend, aber gerade bei schweren Straftaten auch sehr belastend. Gleichzeitig war es wichtig, die Interessen von Opfern und Angehörigen zu schützen. Rückblickend war das eine verantwortungsvolle Aufgabe, die mich geprägt hat.

Hilft Ihnen diese Erfahrung heute bei Ihrer Vereinsarbeit?

Absolut. Teamarbeit, klare Strukturen und gute Kommunikation sind unverzichtbar. Als wir 2016 den Good Walking Club Rheinbach gegründet haben, war schnell klar: So ein Projekt gelingt nur mit einem starken Team. Viele Helferinnen und Helfer kommen aus Polizei, Feuerwehr oder Bundeswehr und sind strukturiertes Arbeiten gewohnt. Das erleichtert die Organisation enorm.

Wie entstand die Idee für den Good Walking Club?

Die Idee entstand während eines 100-Kilometer-Marsches in Belgien. Dort wurde darüber gesprochen, dass es solche Veranstaltungen in Deutschland kaum noch gibt. Während der restlichen Strecke habe ich darüber nachgedacht, wie man so etwas in Rheinbach umsetzen könnte. Ein Jahr später war der Verein gegründet und schon 2017 fand die erste Veranstaltung statt.

Heute gilt Rheinbach als feste Größe in der Langstreckenwanderszene. Haben Sie damit gerechnet?

In diesem Ausmaß nicht. Wir haben aber früh erkannt, dass Langstreckenwandern auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen würde. Unser Ziel war nie, möglichst groß zu werden. Wir wollten eine Veranstaltung schaffen, bei der sich die Teilnehmenden gut aufgehoben fühlen. Heute wissen die Menschen, dass sie bei uns hervorragende Organisation, motivierte Helfer und eine besondere Atmosphäre erwartet.

Was macht „Marsch mit Aussicht“ aus?

Wir versprechen den Teilnehmenden optimale Rahmenbedingungen für eine große sportliche Herausforderung. Im Gegenzug erwarten wir, dass sie sich körperlich und mental vorbereiten. Es geht nicht um einen Spaziergang, sondern um eine anspruchsvolle Wanderung. Dass inzwischen fast 90 Prozent das Ziel erreichen, zeigt, wie gut dieses Konzept funktioniert.

Sie sprechen oft von Gemeinschaft. Was bedeutet Ehrenamt für Sie?

Ehrenamt bedeutet für mich vor allem, Menschen zu verbinden. Besonders beeindruckt mich aber das stille Engagement vieler Menschen. Kürzlich habe ich ein Ehepaar getroffen, das jeden Tag zwei Aufkleber von Verkehrsschildern entfernt – einfach, weil sie ihre Umgebung sauber halten möchten. Solche Menschen erwarten keine Auszeichnung und keine Aufmerksamkeit. Sie machen einfach. Das ist für mich gelebtes Ehrenamt.

Welche Herausforderungen bringt ein Engagement wie Ihres mit sich?

Ehrenamt darf keine dauerhafte Belastung werden. Wer Verantwortung übernimmt, muss auch auf sich selbst achten. Das gilt besonders bei Großveranstaltungen. Wetterextreme, Sicherheitsfragen und die Verantwortung für mehrere hundert Teilnehmende stellen uns vor neue Herausforderungen. Deshalb hinterfragen wir regelmäßig, wie Veranstaltungen künftig verantwortungsvoll durchgeführt werden können.

Sie engagieren sich gemeinsam mit Ihrer Frau außerdem für eine Insekten- und Bienentankstelle. Was steckt dahinter?

Wir haben eine Grünpatenschaft für eine Fläche übernommen und dort Lavendel und viele insektenfreundliche Pflanzen gesetzt. Dazu gehört auch eine kleine Wasserstelle für Insekten. Es macht große Freude zu beobachten, wie viele Bienen und Schmetterlinge inzwischen dort unterwegs sind. Gerade diese kleinen Projekte zeigen, dass jeder etwas für die Natur tun kann und es sich überhaupt lohnt, etwas zu tun. Egal wie klein das Projekt auch sein mag.

Zum Schluss: Was motiviert Sie persönlich immer wieder?

Wenn ich sehe, wie Menschen gemeinsam ein Ziel erreichen, wie Helfer mit Herzblut dabei sind und sich alle gegenseitig unterstützen, dann weiß ich, warum sich der Einsatz lohnt. Ehrenamt muss Freude machen – dann kann es Menschen bewegen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Hören Sie die ganze Folge im Podcast.

Interview auf Basis des Podcast-Gesprächs „Reingehört – Ehrenamt des Monats Juli“