Menschen, die Rheinbach bewegen – Januar 2026: Janina Glöden

Im Rahmen des Internationalen Tag des Ehrenamts, der bundesweit jährlich am 5. Dezember begangen wird, haben wir unser neues Format zur Ehrenamtsförderung in Rheinbach gestartet. Monatlich werden wir dem Ehrenamt in unserer Stadt nun ein Gesicht geben. 

Im Januar portraitieren wir Janina Glöden. Die Flerzheimerin ist ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen bei der Freiwilligen Feuerwehr Rheinbach und bei der Evangelischen Kirchengemeinde Rheinbach tätig. Darüber hinaus sagt die gelernte Buchhändlerin auch nicht nein, wenn es darum geht, irgendwo ein Buch aufzuschlagen und vorzulesen. Auch den Vorlesewettbewerb hat sie in Rheinbach häufiger schon mit auf die Beine zu gestellt. Nach ihrer Ausbildung bei der Buchhandlung Kayser widmet sich die 25-Jährige nun den Studiengängen „Deutsch als Zweit- und Fremdsprache in der Erwachsenenbildung“ und “Skandinavistik”. Ihr Lieblingsort in Rheinbach ist die Gnadenkirche und in ihrer freien Zeit liest sie am liebsten das ein oder andere gute Buch. 

Frau Glöden, Sie sind ehrenamtlich in zwei großen Organisationen tätig. Wie kommt es dazu, dass Sie sich in Ihrem jungen Alter schon so vielfältig engagieren?

Ich bin einfach gerne unter Menschen und kann dann meistens schlecht Nein sagen. Es gibt einfach so viele tolle Möglichkeiten und Projekte bei uns in Rheinbach. Da lasse ich mich gerne begeistern.

Haben Sie ein persönliches Schlüsselerlebnis, seit dem Sie sich ehrenamtlich engagieren?

Nein, eigentlich bin ich da so hineingeschlittert. Durch meinen Nachbar bin ich zur Jugendfeuerwehr gekommen. Ich wollte das eigentlich erst gar nicht, habe es mir dann aber angeschaut und bin geblieben. Ich hatte eine nette Schulzeit, hatte hier und da Freunde, aber nie so eine feste Clique. Aber dort, da war eine solche Basis, das war schon toll.

Sie waren 14 Jahre alt, als Sie bei der Feuerwehr angefangen haben. Wurden Sie dort als so junger Mensch ernst genommen?

Naja, ich habe ja bei der Jugendfeuerwehr angefangen, da sind ja alle ungefähr gleich alt. Mit 18 bin ich dann in die Einsatzabteilung gewechselt. Hier ist der Altersunterschied zum Teil schon groß, aber grundsätzlich spielt es keine Rolle. Man begegnet sich auf Augenhöhe, Ideen werden altersunabhängig ernst genommen. Auch wenn ich ein Unterrichtsthema übernehmen will, kann ich das machen. Man bekommt viel Vertrauen entgegengebracht. 

Wie sehen Ihre Aufgaben bei der Rheinbacher Feuerwehr aus?

Neben dem üblichen Alltag engagiere ich mich in verschiedenen Bereichen. Ich bin Mitglied des fünfköpfigen Vorstands der Jugendfeuerwehr Rheinbach und übe natürlich mit den Jugendlichen meiner Ortschaft. Auch die Kleinen bei der Kinderfeuerwehr betreue ich in einer der drei zentralen Gruppen in Rheinbach. Beide Altersgruppen, so unterschiedlich sie auch sind, machen mir ganz viel Freude. Sonst helfe ich ganz einfach dort mit, wo gerade etwas anfällt.

Was bedeutet das konkret?

Ich fühle mich dort zu Hause, gerade in meiner Löschgruppe in Flerzheim. Die Feuerwehr ist für mich wie eine Familie. Da gibt es keinen klar begrenzten Aufgabenbereich und man hat seinen Einsatz bis der vorbei ist. So läuft das in keiner Familie und auch hier nicht. Wenn wir zum Beispiel den Kuchenverkauf mit der Jugendfeuerwehr beim Frühlingsfest, Wettbewerbe oder das Zeltlager organisieren, packen alle mit an. Und zwar bis zum Ende und auch bis das letzte Zelt zum Trocknen ausgelegt ist.

Das klingt nach viel Zeit und einem Dauereinsatz. Wie funktioniert es, dass Sie sich auch noch in der Kirche engagieren?

Die Kirche ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich habe diesbezüglich keine besondere familiäre Prägung erfahren, aber meine Großmutter und meine Mutter haben mich immer in meinem Tun unterstützt. Die Konfirmation war für mich etwas, auf das ich mich sehr gefreut habe. Ich bin der Kirche seither treu geblieben. 

Inwiefern?

Ich betreue die Konfis als Teamer und singe seit Mitte letzten Jahres im Kirchenchor. Seit fast zwei Jahren bin ich Mitglied im Presbyterium.

Welchen Bereich haben Sie in der Funktion inne?

Keinen festen. Ich finde viele Aufgaben interessant und freue mich über die Möglichkeit, alles kennenzulernen und mich nicht festlegen zu müssen. Ich bin seit diesem Jahr Vorsitzende im Jugendausschuss, aber ich schaue immer wieder auch gerne in unterschiedliche Projekte hinein. 

Sie haben sich im Presbyterium für vier Jahre ehrenamtlich gebunden. Das ist eine lange Zeit. Entwicklungen zeigen, dass sich junge Menschen ungern in einem Ehrenamt binden und lieber – im Gegensatz zu älteren Engagierten, die oft über Jahrzehnte in einem Bereich tätig sind - nur projektbezogen tätig sind. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube nicht, dass man das so schwarz-weiß sagen kann. Ich binde mich hier zwar für diese vier Jahre, aber die Arbeit ist extrem abwechslungsreich. Ich kann überall dabei sein. Ich glaube, wenn genug Abwechslung in einem Ehrenamt gegeben ist und alle Beteiligten offen und flexibel sind, dann fällt es leicht, sich länger zu binden. 

Apropos Alter. Viele Studierende suchen sich einen Nebenjob zur Aufbesserung ihres Unterhalts. Wieso sind Sie viele Stunden unentgeltlich im Einsatz?

Für die Motivation spielt es sicherlich eine Rolle, dass ich auf dem Dorf aufgewachsen bin. Der Zusammenhalt ist sehr stark, man greift sich gegenseitig unter die Arme. Dabei teilt man Energie. Das erlebe ich immer wieder. Anderen eine Freude zu machen, ist nachhaltiger. Es hallt im wahrsten Sinne des Wortes nach. Die Energie und Freude verpufft nicht so schnell. 

Können Sie ein Beispiel nennen?

Beim Rheinbacher Frühlingsmarkt mit der Jugendfeuerwehr: Da ist man extrem stark mit der Vorbereitung beschäftigt, rennt Massen an Leuten hinterher, Kuchen zu backen und am Tag selbst ist man eigentlich nur für eine kurze Schicht eingeteilt. Wenn es dann aber losgeht und man mit anderen zwischen 70 Kuchen steht, dann ist alles egal. Jeder macht und tut und man kommt mit Leuten ins Gespräch und am Abend ist man fix und fertig, freut sich aber insgeheim schon auf das nächste Mal. Genauso ist es beim Zeltlager der Jugendfeuerwehr. Da freust Du Dich am letzten Tag nur auf ein Leben ohne Ameisen und Waffeln und im besten Fall mit trockenen Klamotten. Und wenn es dann vorbei ist und alles weggeräumt wurde, dann beginnt fast schon die Vorfreude auf das nächste Jahr. 

Häufig hört man die Aussage, dass die Zeit nicht auch noch für eine ehrenamtliche Tätigkeit reiche. Sehen Sie das Engagement manchmal als Belastung? 

Ich bin eigentlich jeden Tag der Woche unterwegs. Irgendwas ist immer. Das ist schon manchmal viel. Da muss man auch mal „Nein“ sagen. Wichtig ist, sich selbst nicht zu vernachlässigen. Und das lernt man nicht bei einem Gesundheitskurs der Krankenkasse oder VHS, sondern einfach so für sich. Zum Beispiel bei der Feuerwehr, da lernt man im geschützten Raum, sich zu behaupten, manches nicht persönlich und lieber mit Humor zu nehmen, Kameradschaft, Verlässlichkeit, Vertrauen und auch damit verbunden, auf sich selbst zu achten. Da erlebt man irgendwie das Leben im Schnelldurchlauf, gerade in den 20ern eine wertvolle Erfahrung. 

Was sagt Ihr soziales Umfeld zu Ihrem Engagement? Stoßen Sie auf Unverständnis?

Naja, manche finden es schon manchmal schräg, aber sie akzeptieren es. Ich schaue schon, was ich wem gegenüber sage und ich frage mich manchmal auch, wer ich eigentlich bin. Der Menschenschlag innerhalb der beiden Organisationen ist schon sehr unterschiedlich. Das sind zwei Welten, das ist manchmal herausfordernd. Der eine Ort ist eher laut und energiegeladen, der andere eher still und tief. Das beides bin aber ich und ergibt dann eins. Beide schenken mir Halt: Die Feuerwehr ist eine Familie, bei der Kirche spricht man von Brüdern und Schwestern. Und an beiden Orten spielen Menschen und ihr Leben eine große Rolle. Das ist mir wichtig. 

Es klingt danach, dass das Ehrenamt und Ihre Persönlichkeit nicht voneinander zu trennen sind. 

Ja, genau. Aber das ist ja auch für beide Komponenten das Beste, was passieren kann. Für mich ist dort definitiv eine Verbindung. Bei uns in Flerzheim steht am Gerätehaus der Spruch: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“ geschrieben. Das mag etwas altmodisch klingen, aber für mich trifft es das ziemlich genau. Egal ob Kirche oder Wache, das sind für mich Zufluchtsorte. Wenn ich Zeit für mich brauche, lerne oder lese, dann finde ich da immer einen Platz. Im doppelten Sinn.

Was würden Sie jemandem sagen, der unsicher ist, ob eine ehrenamtliche Tätigkeit etwas für ihn sei?

Die Hemmschwelle wird fallen, wenn man erst einmal angefangen hat. Man sollte möglichst jung beginnen, ehrenamtlich tätig zu werden, dann erfährt man den Mehrwert schon früh und es lässt einen nicht mehr los. Mit einem Ehrenamt ist man nie und nirgendwo alleine und man hat immer einen Anknüpfungspunkt. Wenn ich nun bald im Rahmen meines Studiums nach Stockholm gehe und dort niemanden kenne, dann werde ich es als erstes in der nächsten Kirche versuchen. Und danach findet sich alles Weitere. 

Und wenn derjenige dann auf der Suche nach einem passenden Ehrenamt ist, was würden Sie ihm empfehlen?

Offen sein. Man kann in jedem Bereich etwas finden, das zu einem passt. Es gibt viele Nischen, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Man muss nicht bibelfest sein, um Menschen in der Kirchengemeinde glücklich zu machen oder dort im Chor zu singen und man muss nicht Leben retten, wenn man beim Feuerwehrfest mithilft oder in der Unterstützungseinheit dazu beiträgt, während langer Einsätze die Kräfte vor Ort mit einem Kaffee oder etwas zu Essen zu versorgen. Hat man etwas gefunden, sollte man darauf achten, sich nicht selbst aufzugeben, damit man dauerhaft dabeibleiben kann. Dann kann es zum Besten werden, was einem passiert. Unentgeltlich. So wie die ehrenamtliche Tätigkeit selbst.

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