Menschen, die Rheinbach bewegen – Februar 2026: Frank Gatzen

Im Februar portraitieren wir Frank Gatzen. Der gebürtige Leverkusener ist seit fast vier Jahrzehnten in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich tätig und als Vorsitzender des Zugkomitee Rheinbach ist er einer derjenigen, der für den Rheinbacher Karneval steht. Seit vielen Jahren fungiert er als Zugleiter des Rheinbacher Veilchendienstagszuges und ist auch als DJ im Anschluss an die Landsturmsitzung anzutreffen. Der gelernte Krankenpfleger fährt in seiner freien Zeit gern Mountainbike, verbringt die Zeit am liebsten im Garten oder an der Tomburg, zieht den Sommer dem Winter vor und ist immer gerne gut vorbereitet. 

Frank Gatzen, Sie sind seit fast 40 Jahren ehrenamtlich tätig. Wo und wie hat alles begonnen?

Ja, ich habe früh angefangen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Eigentlich begann alles bei der evangelischen Kirche und in vielen unterschiedlichen Bereichen. Da war ich bereits als DJ tätig und habe als Betreuer Jugendgruppen in der damaligen Tschechei begleitet und habe jetzt meine ehrenamtliche Tätigkeit eigentlich auf ein Minimum reduziert. Neben meiner Berufstätigkeit mache ich ein bisschen Veranstaltungstechnik und bin mit dem Karneval ziemlich ausgelastet.

Wie kam es dazu, dass Sie schon so früh begonnen haben, sich unentgeltlich zu engagieren? Sind Sie durch Ihr Elternhaus geprägt? 

Ja, mein Vater war im Schützenverein und hat auch vieles nebenher gemacht. So bin ich eigentlich da hineingeboren.

Sie sind beruflich bei den Kliniken der Stadt Köln tätig und haben die Leitung der Internistischen Station inne. Das klingt nach Arbeiten im Schichtdienst. Wie lässt sich das mit ehrenamtlicher Tätigkeit verbinden?

Vor sieben Jahren habe ich die Stationsleitung übernommen und seit drei Jahren bin ich eigentlich nicht mehr im direkten Schichtdienst eingespannt. Ich leiste noch Spätdienst, aber keine Nachtdienste mehr und konzentriere mich eigentlich wirklich auf die Arbeit von Montag bis Freitag und dann bin ich am Wochenende im Nachtdienst als DJ aktiv.

Wie kam es dazu, dass Sie sich im Karneval engagieren?

Ich bin von klein auf zu den Zügen gegangen. Das war eine tolle Gemeinschaft auf der Straße, mit Nachbarn, die sich immer getroffen haben. Wir haben zusammen gefeiert, auch Silvester und anderes, aber wir sind wirklich auf jeden Zug der Umgebung gegangen. Damals habe ich noch in Leverkusen gewohnt und dadurch bin ich wirklich durch und durch im Straßenkarneval aufgewachsen. Ich erinnere mich noch genau, dass ich sogar mit Unterstützung meiner Mutter in der Schule krank feiern durfte, als ich Weiberdonnerstag zum ersten Mal nach Köln gefahren bin. 

Den meisten Engagierten ist ihre Tätigkeit eine Herzensangelegenheit. Ist der Karneval noch mehr? 

Ja, der Karneval ist schon besonders, natürlich steckt da Herzblut drin, man muss ihn jahrelang gefeiert haben. 

Als Zugleiter laufen alle Fäden bei Ihnen zusammen. Wie sorgen Sie dafür, dass sie sich nicht verknoten?

Ich mache das Amt schon ein paar Jahre. Ich weiß genau, wen man wann wofür anschreiben muss und wo man ihn erreicht. Es ist eigentlich sehr, sehr wenig Zeit, die die Tätigkeit heute noch in Anspruch nimmt.

Aber in der Funktion tragen Sie eine große Verantwortung, Sie sind Ansprechpartner für die Vereine und Schnittstelle zur Stadt und stehen in engem Austausch mit der Polizei. Das klingt herausfordernd.

Es kommt alles auf die Vorbereitung an. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Rheinbach und mit dem Ordnungsamt sind vorbildlich. Sie koordinieren die Termine und passen sie auch an meine beruflichen Möglichkeiten an, so dass wir uns auch mal später am Abend kurz austauschen können.

Wie gehen Sie mit dem Thema Sicherheit um? 

Ja, das ist natürlich eine große Verantwortung, denn spätestens an dem Tag, an dem etwas passiert, klingelt bei mir das Telefon, genauso wie bei der Polizei und beim Ordnungsamt. Wenn der Zug vorbei ist, bin ich immer erst einmal sehr erleichtert. Egal was man vorbereitet, egal wie perfekt es ist, es kann immer was passieren. Und es kann natürlich große Folgen haben. Es kann um Menschenleben gehen. Das muss einem klar sein, denn bei einer Veranstaltung in der Größenordnung bestehen immer Möglichkeiten, dass Lücken in der Sicherheit entstehen.

Was meinen Sie damit? 

Naja, es muss nicht gleich das Auto sein, das in die Menschenmenge fährt. Wir sorgen ja dafür, dass die Zufahrtswege dicht sind. Aber es kann genauso gut ein Kind sein, was trotz acht Wagenengeln irgendwie unter die Reifen kommt. Oder wenn jemand zusammenbricht und der Zug nicht weiterfahren kann. Es sind unzählige Faktoren, aber das Zugkomitee in Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Ordnungsamt, der Feuerwehr und den Maltesern ist um ein wirklich gutes Sicherheitskonzept bemüht mit dem Ziel, dass jeder einen schönen und entspannten Tag hat. Aber eine 100 Prozent- Garantie gibt es im Leben eben nicht. 

Wie erleben Sie die Zeit, wenn es dann losgeht? Sie fahren ja nicht im Auto vorweg mit, oder?

Nein, da fahre ich nicht mit. Ich stehe in Handyverbindung mit der Polizei. Und über Funk erhalte ich jederzeit Informationen. So sind wir doppelt und gut ausgestattet. Wenn das erste Fahrzeug losfährt, versuche ich die Lücken zwischen den einzelnen Abteilungen kurz zu halten, schicke jeden in Richtung Zug und wandere dann zum ersten Kreisel hinunter. Dort ist das erste Nadelöhr, denn man muss dreimal herumfahren und da stehen einfach wirklich viele Leute. Es ist wichtig, zu koordinieren, dass gerade bei den großen Zugmaschinen kein Stau entsteht und es dann kein Vor und Zurück mehr gibt. Der Rest ist dann ein Selbstläufer.

Und zum Schluss? 

Nach der Session ist vor der Session. Letztlich ist der Tag, an dem der Zug geht, immer ein Höhepunkt, aber die ganze Koordination geht weiter bzw. läuft das ganze Jahr durch, natürlich nicht so intensiv, aber kontinuierlich. Direkt nach dem Zug mache ich mir Notizen, an welcher Stelle vielleicht noch Geschäfte draußen Gastronomie anbieten können. Außerdem hole ich mir Rückmeldung von den Ordnungskräften, ob es irgendwo Unruhen gegeben hat. So hole ich mir von vielen verantwortlichen Seiten Informationen und bekomme dann ein Gesamtbild. Und dann versuche ich natürlich alles so schnell wie möglich wieder aufzuräumen und wegzuschaffen. 

Es gibt also keine Abschlussfeier?

Doch natürlich. Wir ziehen dann zusammen nochmal durch Rheinbach und treffen uns auch bei den einzelnen Vereinsheimen. Und dann gehe ich auch nochmal in die Kneipen und genieße die Stimmung. Spätestens da ist es dann, dieses echte und wirkliche Gefühl des Karnevals, pure Gemeinschaft. Ein solcher Rundgang ist schon sehr bewegend. 

Ehrenamtliche Tätigkeit steht ja oft in dem Ruf, eine Belastung zu sein und etwas, das man sich nicht auch noch zusätzlich aufbürden möchte. Ihnen gibt es aber offenbar viel zurück. 

Definitiv. Dieses Gefühl ist genau das, was mich motiviert hat, hier auch die Zugleitung zu übernehmen. Das ist ein Miteinander von arm und reich, von jung und alt, von evangelisch und katholisch. Es ist alles komplett egal. Da gibt es keine Grenzen, kein schwarz oder weiß. Da steht der Superreiche neben dem ganz normalen Menschen. Da genießen alle zusammen den Moment. Das macht es aus.

Was denken Sie über die Zukunft des Brauchtums, aber auch des Ehrenamts und der Vereinsarbeit? 

Das ist nicht so einfach zu sagen. Es wird immer irgendwie weitergehen, der Zug gehört einfach zu Rheinbach dazu. Und ich hoffe, dass er noch lange einen solchen Stellenwert und solche Beteiligungen hat. Aber es ist keine Neuigkeit, dass das ehrenamtliche Engagement immer mehr zurückgeht. Es wird immer schwerer, Menschen zu gewinnen, die sich engagieren und die Verantwortung und auch eine Führungsposition übernehmen. Und, die auch in der Lage sind Menschen zu integrieren und ihnen Aufgaben zu geben. 

Was meinen Sie damit konkret?

Früher hat man vieles einfach selbständig gemacht, in Eigenverantwortung. Heute muss man viel Energie aufbringen, um die Leute zu bewegen, auch mal etwas mitzumachen und von ihrem Sofa zu kommen. Die Menschen sind übersättigt und wissen seit Corona, dass es zu Hause auch sehr gemütlich und bequem ist.

Was glauben Sie, braucht es da?

Kreativität! Wir müssen die Menschen begeistern und auch die nächste Generation gewinnen. Ohne ehrenamtliche Tätigkeit geht es nicht. Die Jugend hat viel Potential, aber es bedarf Fingerspitzengefühl, um sie wirklich mitzunehmen. Und es kommt immer auf das Herzblut an. Wenn man bei ehrenamtlicher Tätigkeit beginnt, aufzurechnen, dann kommt man nicht weit. Wir müssen flexibler werden, auf die Leute zugehen und gezielt für bestimmte Aufgaben bestimmte Leute finden. Wenn das passt, dann wird jeder auch Positionen übernehmen.

Was würden Sie jemandem sagen, der zögert, ein Ehrenamt zu übernehmen?

Ich würde ihm ganz klipp und klar sagen, dass jeder die Gemeinschaft und das Miteinander braucht. Egal in welchem Verein. Wenn das Engagement zurückgeht, dann bricht das soziale Leben zusammen. Es gibt sicherlich viele, die sich nicht trauen, neu in einen Verein zu gehen, weil sie denken, dort gebe es eine feste Gemeinschaft. Aber es gilt, einen ersten Schritt zu machen, dann findet sich immer ein Anknüpfungspunkt. Und dann tut sich eine Nische auf, in der man sich beteiligen kann. Da ist nicht nur der Karneval, sondern jeder Verein bietet ein tolles Feld. Und da kommt es nicht drauf an, ob man als Fußballtrainer dreimal in der Woche und auch noch am Wochenende unentgeltlich auf dem Platz steht oder quantitativ weniger macht. Jeder findet irgendwo einen Deckel und alles zusammen gibt dann das große Ganze. Das ist die Gesellschaft und Gemeinschaft, die getragen wird und die auch trägt. Und das ist auch bei mir so. Ich trage das nicht nach außen. Ich mache das auch für mich persönlich. Ich lebe in der Gesellschaft und lebe auch von ihr, also möchte ich auch etwas zurückgeben und einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Gemeinschaft weiterlebt.