Gerda Lückel engagiert sich seit über zwanzig Jahren für ein blühendes und lebenswertes Stadtbild in Rheinbach.
Die Diplom-Verwaltungswirtin, zuletzt im Bundesverteidigungsministerium tätig, ist seit rund zwei Jahren im Ruhestand. Gerda Lückel beschäftigt sich gerne mit fremden Kulturen und liest gerne, vor allem Bücher zur Einordnung von Politik und Geschichte. Darüber hinaus widmet sie leidenschaftlich gern der Gartenarbeit. Im Jahr 2005 hat sie ehrenamtlich die Pflege öffentlicher Pflanzflächen übernommen. Sie hat damit eine der rund 150 Beetpatenschaften übernommen, durch die in Rheinbach für ein schönes Stadtbild und damit für Lebensqualität im städtischen Raum gesorgt wird. Vier Pflanzpatenschaften – zwei Blumenkübel und zwei Baumscheiben – betreut sie seitdem in der Straße zu den Fichten. Zusätzlich engagiert sie sich in der Togo-Hilfe und in der Partnerschaft des Friedens Rheinbach – Douaumont/Vaux.
Frau Lückel, Sie haben vor vielen Jahren eine Beetpatenschaft übernommen. Wie kam es dazu?
„Damals gab es noch keine Schilder für die Pflanzpatenschaften. Die Straße zu den Fichten wurde zur Einbahnstraße umgebaut, um den Verkehr zu bremsen. Dafür wurden Pflanzkübel aufgestellt. Die ersten Kübel waren einfache Holzkästen. Ich habe damals beschlossen, mich darum zu kümmern und die Flächen zu bepflanzen und zu pflegen. So fing alles an.“
Was gehört zu Ihren Aufgaben als Pflanzpatin?
„Ich bepflanze die Kübel je nach Jahreszeit, gieße, lockere die Erde und dünge die Pflanzen. Außerdem halte ich die Flächen sauber und sammle Müll ein. Es geht nicht nur um Blumen, sondern um das gesamte Erscheinungsbild.“
Die Pflanzflächen liegen direkt vor Ihrer Haustür.
„Ja, das ist wie ein zweiter Vorgarten. Wenn ich zum Briefkasten gehe, sehe ich sofort, ob alles in Ordnung ist.
Was motiviert Sie persönlich, sich so dauerhaft zu engagieren?
„Ich finde es wichtig, dass das Umfeld gepflegt ist und schön aussieht. Wenn die Menschen vorbeigehen und sich an den Blumen freuen, freut mich das sehr. Viele Bewohner im Viertel sprechen mich darauf an und vor allem die Kinder aus dem Kindergarten gegenüber schauen mir oft beim Pflanzen zu. Dann erkläre ich ihnen zum Beispiel, warum das Stiefmütterchen so heißt. Das ist für sie spannend und bringt ihnen die Natur näher. Auch mit Nachbarn komme ich ins Gespräch. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Außerdem kann man sich doch nicht bei allem nur auf die Zuständigkeit des Staates verlassen.“
Gab es auch schwierige Momente, etwa durch Vandalismus?
„Ja, früher wurden Pflanzen manchmal herausgerissen oder gestohlen. Das war sehr ärgerlich. Seit es die grünen Schilder gibt, hat sich das aber deutlich gebessert. Vielleicht trägt die Kennzeichnung dazu bei, dass die Menschen mehr Respekt vor der Arbeit haben.“
Neben den Pflanzpatenschaften engagieren Sie sich auch in der Togo-Hilfe. Was hat Sie dazu bewegt?
„In vielen Ländern haben Mädchen weniger Zugang zu Bildung. Ich kann doch nicht die Hälfte der Bevölkerung von etwas ausschließen. Bildung ist für mich der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben, gerade für Mädchen. Deshalb unterstütze ich Projekte, die Schulen bauen und Mädchen eine sichere Unterkunft bieten. Ich war selbst vor Ort und habe gesehen, wie wichtig diese Hilfe ist.“
Und was bedeutet Ihnen Ihr Engagement in der Partnerschaft des Friedens?
„Mir ist es wichtig, dass die Geschichte nicht vergessen wird. Gerade die Erfahrungen aus den Weltkriegen zeigen, wie wichtig Frieden und Verständigung sind. Wissen über die Vergangenheit hilft uns, die Gegenwart besser zu verstehen und Extremismus entgegenzuwirken. Wir heute können alle nichts dafür, aber wir können etwas dafür tun, dass wir unser Bewusstsein erweitern, dass wir uns nicht zurücklehnen und denken, dass die anderen doch machen sollen, weil die da oben sowieso machen, was sie wollen. Nein, wir sind Teil unserer Demokratie und unseres Staates.
Was würden Sie Menschen raten, die überlegen, sich ehrenamtlich zu engagieren?
„Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen und wahrnehmen, was in der eigenen Umgebung passiert. Es geht nicht immer darum, große Projekte zu starten. Oft reichen kleine Schritte. Wir sind Teil der Gesellschaft und tragen Verantwortung. Außerdem gibt das Ehrenamt einem selbst viel zurück: Freude, Kontakte und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“