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Bergbau in Rheinbach

10 Ausstellungsplakat AIn Rheinbach ist nie längere Zeit gewinnbringend Bergbau betrieben worden. Die Lagerstätten waren nicht besonders ergiebig. Zudem lagen die Abbaugebiete verkehrstechnisch ungünstig. Erst 1880 wurde die Eisenbahnlinie Euskirchen-Rheinbach-Bonn eröffnet. Bis dahin waren die Versuche, Eisenerz in unserem Gebiet abzubauen, längst aufgegeben worden. Mehr sprach für einen Kupfer- und Bleierzabbau in Rheinbachs Höhenorten. Doch Missmanagement der Firmen sowie große technische Probleme waren hier die Haupthindernisse für einen langfristigen gewinnbringenden Bergbau. Dennoch ist bemerkenswert, dass vom Beginn der frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert hinein immer wieder versucht worden ist, in Rheinbach den Abbau von Bodenschätzen zu etablieren.

 

Bergbau in Rheinbach vor 1830

Bereits im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wurde im Höhengebiet der heutigen Stadt Rheinbach Erz abgebaut. Bereits die Heisterbacher Mönche, die im 15. Jahrhundert die Neukirchener Kirche erbauten und seitdem die Herrschaft über dieses Gebiet innehielten, sollen hier bereits eine Kupfer- und eine Bleimine sowie eine Schmelzhütte betrieben haben. Angeblich wurden die Arbeiten um 1750 aufgrund von Streitigkeiten unter den Mönchen wieder eingestellt. Nach der Säkularisation beantragte ein Caspar Kayser aus Düren die Genehmigung zum Abbau von Blei und Kupfer in Neukirchen. Er berief sich bei der Französischen Regierung ausdrücklich auf die Vorarbeiten der Heisterbacher Mönche. Er beantragte die Genehmigung «…pour Renouveller de anciennes mines de Cuivre et Plomp...».

Im Jahre 1808 war dieses Bleibergwerk in Betrieb, hatte aber nur sechs Arbeiter beschäftigt. In der Kupfermine Kurtenberg wurden bis mindestens 1811 mehrere Suchstollen angelegt. Weitere Informationen zu dieser Bergbautätigkeit am Anfang des 19. Jahrhunderts sind uns allerdings nicht bekannt.

 

Eisenerzbergbau in Rheinbach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Um 1850 nimmt der Bergbau im Brühler Revier - zu dem auch Rheinbach zählte - deutlich zu. So wurden damals verschiedene Konzessionen zum Abbau von Eisen im Rheinbacher Raum erteilt:

Das Eisenerzbergwerk „Clara”
Am 3. November 1849 genehmigte der preußische Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten das Eisensteinbergwerk „Clara”. Eigentümer waren Peter Jakob und Hermann Poensgen, beide Eisenhüttenbesitzer in Blumenthal (Kreis Euskirchen). Die Konzession erstreckte sich auf ein Gebiet über die Gemeinden Queckenberg, Neukirchen, Rheinbach und Oberdrees sowie den zur Bürgermeisterei Kuchenheim gehörigen Gemeinden Palmersheim, Schweinheim und Flamersheim. Die letzte Eintragung im Grundbuch für das Grubenfeld Clara stammt aus dem Jahre 1893. In diesem Jahr waren dreizehn Eigentümer verzeichnet.Grenzstein Margaretha

Das Grubenfeld "Margaretha"
Der Rheinbacher Bürgermeister Hermann Josef Krahe und der Neukirchener Branntweinbrenner Martin Krieger beantragten am 9. Juli 1853 eine Konzession zur Gewinnung von Eisensteinerz. Ihr Grubenfeld hieß „Margaretha”, war rund 7876 Morgen groß und im Norden begrenzt von zwei Linien, die sich vom Queckenberger Kirchturm über den Kapellenturm in Merzbach bis zum Turm auf dem Tomberg hinzog. Von dort aus reichte das Feld bis Hilberath. Die östliche Begrenzung bildete eine Linie zwischen dem Grenzstein zwischen den Gemarkungen Flamersheim, Houverath und Hilberath und dem Kirchturm von Queckenberg. In diesem Feld ist ebenso wie auf „Clara” Eisenstein gefördert worden. 1857 lagen am Heidekreuz zwischen Merzbach und Irlenbusch nachweislich 3.000 Zentner Eisenstein, die zur Schmelze in Rheinbach gebracht werden sollten. Zur gleichen Zeit übernahm der Solinger Kaufmann Carl Hartkopf einen Anteil an diesem Grubenfeld.

Die Grubenfelder „Tomberg”, „Wormersdorf”, „ St. Johannes” und „Rheinbach”
Im Oktober 1854 beantragte der Solinger Kaufmann Carl Hartkopf eine Konzession zum Eisenerzabbau im Rheinbacher Stadtwald. Rund drei Jahre später wurde diese Grube, die den Namen „Rheinbach” bekam, in Betrieb genommen. Im Dezember 1854 reichten er und sein Mitgesellschafter Johann Gustav Urner aus Wermelskirchen ein Konzessionsgesuch für die in den Kreisen Ahrweiler und Rheinbach gelegene Eisensteingrube „Tomberg” ein. Bereits einen Monat zuvor hatte Hartkopf die Genehmigung einer Grube Deckel Konzessionsakte Grube Rheinbachbeantragt, das im Gebiet der Stadt Rheinbach lag. Das letztendlich genehmigte Grubenfeld mit dem Namen „Rheinbach” lag nördlich von „Margaretha” und erstreckte sich von der Stadt im Norden bis zur Tomburg und Groß Schlebach im Süden. Im Rheinbacher Stadtwald sind noch heute an vielen Stellen Spuren dieser bergbaulichen Tätigkeit zu finden. Z. B. sind am Wanderweg A 7 westlich der Steinstraße Aushube und Abgrabungen zu erkennen. In den Gemeinden Wormersdorf, Altendorf und Ersdorf wurden 1867 dem in Dahlem wohnenden Gastwirt und Kaufmann Johann Mathias Müller drei Konzessionen zum Abbau von Eisenerz erteilt. Die Gemeinde Queckenberg war ein Teil der Konzession „St. Johannes”, die der Bensberger Maurermeister Johann Merl 1857 erworben hatte. Im Nordosten wurde das Grubenfeld von den Konzessionen „Clara”, „Emma Carolina” und „Margaretha” begrenzt. Der größte Teil von „St. Johannes” lag allerdings in den heute zur Stadt Euskirchen gehörenden ehemaligen Gemeinden Flamersheim und Kirchheim.

 

Die Rheinbacher Eisenhütte

H _ttengesellschaftUm sein in der Umgebung Rheinbachs gewonnenes Eisenerz vor Ort zu schmelzen, begann Carl Hartkopf mit dem Bau einer Eisenhütte. Der Betrieb der „Rheinbacher Eisen- und Hüttengesellschaft” befand sich am Stiefelsberg und zwar auf dem Gelände, auf dem heute die städtischen Forstgebäude stehen.
1858 sollen rund 30 Arbeiter in dem Eisenwerk beschäftigt gewesen sein.

Die Forstscheune1861 versuchte Hartkopf die Hütte zu verkaufen. 1864 ging sie gemeinsam mit den Grubenfeldern „Rheinbach” und „Margaretha” in den Besitz des Aachener C. F. Weber über.

Bis etwa 1869 scheint die Rheinbacher Eisenhütte zumindest noch als Lagerungsort für Erze genutzt worden zu sein. Um diese Zeit kaufte die Stadt Rheinbach das Gelände, um dort ein Forsthaus zu errichten. Es war geplant das ehemalige Maschinenhaus umzubauen. Doch ein Gutachten eines Baumeisters aus dem Jahre 1872 kam zu dem Ergebnis, dass ein Neubau notwendig wäre. So wurde das Maschinenhaus abgerissen und einige Meter entfernt das Forsthaus errichtet.

Nur noch ein Balken der Forstscheune mit der Inschrift „Glück und Segen zur Rheinbacher Eisenhütte 1857”, der Inselweiher und der zwischen Straße und Forstweiher gelegene Transportdamm erinnern noch heute an die Rheinbacher Eisenschmelze.

 

Kupfer- und Bleierzbau ab Mitte des 19. Jahrhunderts

Grube Hedwigsgl _ck Schacht KurtenbergDie Grube „Emma Carolina”
Im Jahre 1863 wurden 405 Zentner Kupfererz im Wert von 806 Thalern auf der Rheinbacher Grube „Emma Carolina” gefördert. Die Belegschaft bestand in diesem Jahr aus 62 Arbeitern. Für das Kupfer- und Bleierzwerk „Emma Carolina” hatte 1855 der Kaufmann Albert Poensgen aus Mauel bei Gemünd die Konzession erworben. Obwohl Poensgen 3.600 Taler investierte, war die Ausbeute an Erzen am Kurtenberg nicht sehr ergiebig und kam schnell zum Erliegen. Um 1860 erwarb Carl Friedrich Weber aus Aachen das Bergwerk. Trotz des bereits beschriebenen Aufschwungs Anfang der 1860er Jahre wurden die Arbeiten auf „Emma Carolina” im Mai 1866 erneut eingestellt.
Im Jahre 1872 legte Weber zwischen Loch und Hardt einen Schacht zum Bleierzbergbau an.

Die Grube „Hedwigsglück”
1903 konzentrierte man sich aber wieder auf den Kupfererzbergbau am Blitzenhardt und am Kurtenberg. Eine Gewerkschaft namens „Hedwigsglück” mit Sitz in Düsseldorf wurde gegründet. Unter diesem Namen wurde „Emma Carolina” 1902 mit den seit 1900 existierenden Blei-, Zink- und Kupfererzbergwerken „Blitzenhardt I” und „Blitzenhardt II” zusammengelegt. Diese beiden Grubenfelder schlossen sich im Süden und Südwesten an „Emma Carolina” an. In der Folgezeit wurde vergeblich versucht, Geld für Investitionen aufzutreiben. Deshalb musste die Grube am 20. August 1904 wegen Geldmangels wieder geschlossen werden.
Erst im Juli 1907 konnte der Betrieb des Bergwerks „Hedwigsglück” wieder aufgenommen werden. Mittlerweile waren englische Geldgeber gefunden worden. Es wurde in London die Gesellschaft „The Rheinbach Copper Mines, Limited” gegründet. Diese kaufte die Grube Hedwigsglück. Im Oktober 1907 zählte die Belegschaft unter Betriebsleiter Freudenberg immerhin 84 Mann.

Rheinbach Copper MinesAm 22. Januar 1910 wurde das Werk wegen Überschuldung zunächst unter Zwangsverwaltung gestellt, bis es am 22. März 1912 zwangsversteigert wurde und an den Hauptschuldner, das Bankhaus „B. Höpink” fiel.
Aber auch in der Folgezeit schien bei der Grube „Hedwigsglück” der finanzielle Aufwand bei der Erschließung in keinem angemessenen Verhältnis zu dem zu erwartenden Gewinn beim Verkauf der gewonnenen Erze zu stehen, weshalb die Arbeiten eingestellt wurden.Gewerkschaft Evaline

Die Gewerkschaft „Evaline”
Nachdem das Bankhaus „B. Höpink” das Bergwerk „Hedwigsglück” erworben hatte, wurde 1915 eine neue „Gewerkschaft Evaline” gegründet. 99 von 100 Kuxen (Anteilen) blieben bei dem Bankhaus. Einen Kux hielt Albert Hermann aus Walkmühle bei Kettwig. Letzterer wurde auch Geschäftsführer der Gewerkschaft.


In der Zeit des Ersten Weltkrieges herrschte in Deutschland Kupfernot, so dass eine Ausbeutung der Kupfererzvorräte in Rheinbach wieder lohnend erschienen. Deshalb wurde seit Oktober 1915 wieder auf „Hedwigsglück” und zwar am Schacht „Blitzenhardt” gearbeitet. Dreizehn Arbeiter, davon vier Kriegsgefangene, förderten bis zum Ende des Jahres 20 Tonnen Kupfererz. Im folgenden Jahr waren es bereits 25 Arbeiter (davon 13 Kriegsgefangene), die 30 t Kupfererz abbauten. Nachdem im Mai 1917 aufgrund von Tagewetter der Blitzenhardtschacht aufgegeben werden musste, wurde der Betrieb zum Kurtenbergschacht verlegt. Das endgültige Aus für das Bergwerk „Hedwigsglück” brachte ein Schreiben des Kriegsministeriums vom 20. November 1917: „Die Kupfererzgrube Hedwigsglück der Gewerkschaft Evaline bei Neukirchen, Kreis Rheinbach hat für die Kriegswirtschaft keinen Wert mehr. Der Betrieb wird vom 1. Dezember an nur in der Aufwältigung eines älteren Stollens bestehen. Es wird daher gebeten, Vorsorge zu treffen, dass die Grube keine Betriebsstoffe in Anspruch nimmt, welche wichtigen Zweigen der Kriegswirtschaft vorbehalten werden müssen.” Damit war die Bergbaugeschichte in Rheinbach endgültig abgeschlossen.

In der NS-Zeit wurden zwar nochmals Überlegungen angestellt, den Betrieb auf „Hedwigsglück” wieder aufzunehmen, doch es wurde kein Erz mehr gefördert.

Im Jahre 1962 wurde die Gewerkschaft „Evaline”, Besitzerin der Grube „Hedwigsglück”, endgültig aufgelöst.

 

Weitere Informationen in:
Dietmar Pertz: Bergbau in Rheinbach, in: Arndt, Claudia Maria (Hrsg.): Von Wasserkunst und Pingen, Erzbergbau im Rhein-Sieg-Kreis und seiner Umgebung, Siegburg 2005.